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Was ist eine MAP?

 


Was ist MAP (MUTYH-assoziierte Polyposis)?

Im Jahre 2002 wurde eine neue Form der adenomatösen Polyposis entdeckt, die als MAP
(MUTYH-assoziierte Polyposis) bezeichnet wird.

Klinisch ist die MAP im Wesentlichen vergleichbar mit der durch APC-Mutationen verursachten attenuierten FAP (siehe AFAP).

Im Unterschied zu der bisher bekannten autosomal-dominant erblichen und durch Mutationen im
 APC-Gen ( auf Chromosom 5) verursachten FAP und AFAP wird die MAP durch Veränderungen im MUTYH-Gen (auf Chromosom 1) verursacht und folgt einem autosomal-rezessiven Erbgang (
siehe Abbildung).

autosomaler-rezessiver-Erbgang-mit-Text4Dieses bedeutet, dass die Polyposis-Erkrankung erst auftritt, wenn beide Kopien des MUTYH-Gens (die vom Vater und die von der Mutter geerbte Kopie) eine Veränderung aufweisen.

Kennzeichnend für den autosomal-rezessiven Erbgang ist, dass beide Eltern gesund sind und oft ein Einzelpatient oder mehrere Geschwister in der Familie erkrankt sind.
Eine MAP wird bei etwa 15-20% der Patienten mit einer milden Verlaufsform der adenomatösen Polyposis diagnostiziert.

 

 


Wegen des hohen Krebsrisikos wird MAP-Patienten (also Trägern von Mutationen in beiden Kopien des MUTYH-Gens) das gleiche Früherkennungsprogramm wie Kindern von Patienten mit der APC-assoziierten AFAP empfohlen. Dieses umfasst eine jährliche komplette Koloskopie ab dem Alter von 18 Jahren. Bei Feststellung von Polypen erfolgt das weitere Vorgehen in Abhängigkeit vom klinischen Befund.

 

Risikopersonen und Erkrankungsrisiko bei der MAP

Aufgrund des autosomal-rezessiven Erbgangs haben Geschwister eines MAP-Patienten ein Risiko von 25%, von den Eltern zwei veränderte Genkopien zu erben und daher zu erkranken.

Alle Kinder eines MAP-Patienten sind in jedem Falle Träger einer veränderten Genkopie (ebenso wie beide Eltern des Patienten). Sie werden als „heterozygot“ für eine Mutation im MUTYH-Gen bezeichnet. Nach derzeitiger Erkenntnis haben heterozygote Träger einer MUTYH-Mutation (also Kinder und Eltern eines MAP-Patienten) nur ein geringfügig erhöhtes Risiko für Darmkrebs.

In der Allgemeinbevölkerung wird bei einer von 100 (gesunden) Personen eine Mutation in einer Kopie des MUTYH-Gens festgestellt (Heterozygotenfrequenz 1%). Daher haben Kinder eines MAP-Patienten ein Risiko von 0,5%, zwei Mutationen im MUTYH-Gen zu tragen und an MAP zu erkranken.

Es ist sinnvoll, sich im Rahmen einer humangenetischen Beratung über das Krankheitsbild, über das Erkrankungsrisiko sowie über die verschiedenen Möglichkeiten und die Bedeutung der molekulargenetischen Diagnostik bei MAP zu informieren.

 

 

 

Autor: Dr. Waltraut Friedl, Institut für Humangenetik der Universität Bonn
Letzte Überarbeitung: 26.01.2008