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Früherkennung von Anlageträgern
1. Warum ist die Früherkennung so wichtig?
Bei der Polyposis coli entstehen Polypen im Dickdarm meist mehrere Jahre vor dem Auftreten erster Darmbeschwerden. Da Polypen unbehandelt praktisch immer in eine Krebsgeschwulst übergehen, ist es wichtig, diese Vorstufe frühzeitig zu erkennen und die Behandlung rechtzeitig einzuleiten. Um die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu verstehen, ist eine klinische Beratung in einem erfahrenen Zentrum dringend zu empfehlen. Denn: Um Krebs zu verhindern, ist in aller Regel eine große Operation erforderlich.
Wenn keine rechtzeitige Diagnose und Behandlung erfolgt, nimmt die Krankheit häufig folgenden Verlauf:
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Stadium
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Alter
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(Spanne)
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Auftreten von ersten Polypen
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16 Jahre
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(5–38 Jahre)
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erste Darmsymptome
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29 Jahre
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(2–73 Jahre)
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Diagnose der FAP
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33 Jahre
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(5–73 Jahre )
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Diagnose von Dickdarmkrebs
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36 Jahre
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(17–67 Jahre )
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Tod an Dickdarmkrebs
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40 Jahre
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(26–78 Jahre)
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Bei diesen Zahlenangaben handelt es sich um Mittelwerte aus vielen Beobachtungen (Daten aus dem dänischen Polyposisregister). Bei einzelnen Patienten können diese Zeitangaben große Schwankungen aufweisen. So sind Dickdarmpolypen bei Kindern schon im Alter von 3 Jahren festgestellt worden, bei anderen sind die Polypen erst nach dem 35. Lebensjahr aufgetreten. In sehr seltenen Fällen kann sich der Dickdarmkrebs bereits im Kindes- und Jugendalter entwickeln.
Nur durch eine rechtzeitige Erkennung und Behandlung kann die Krebsentstehung bei FAP verhindert werden!
2. Möglichkeiten der Früherkennung für Familien mit klassischer FAP
2.1. Enddarmspiegelung (Rektosigmoidoskopie)
Die Darmspiegelung ist eine sichere Methode der Früherkennung von Polyposis coli, ein unauffälliges Ergebnis einer Darmspiegelung kann die Erkrankung zu einem späteren Zeitpunkt allerdings nicht ausschließen. Deshalb muss die Untersuchung in regelmäßigen Zeitabständen wiederholt werden.
Als Vorsorgeuntersuchung für Risikopersonen aus Familien mit klassischer FAP genügt es, zunächst nur den Enddarm zu spiegeln. Falls eine Polyposis coli vorliegt und sich Darmpolypen gebildet haben, sind sie fast immer auch im Enddarm festzustellen. Wenn dies bei einer Risikoperson der Fall ist, muss zur weiteren Abklärung eine vollständige Dickdarmspiegelung angeschlossen werden.
2.2 Molekulargenetische Untersuchung
Mit molekulargenetischen Methoden kann man heute bei 80% der Familien mit klassischer FAP die der Erkrankung zugrunde leigende Veränderung (Mutation) im APC-Gen identifizieren. In diesen Familien kann man feststellen, ob eine Risikoperson die Anlage für FAP geerbt hat oder nicht (sog. „prädiktive Diagnostik“). Das Ziel dieser Untersuchung ist es, einerseits rechtzeitig die Anlageträger zu erkennen und zu einer jährlichen Vorsorgeuntersuchung (Darmspiegelung) zu motivieren; andererseits kann denjenigen Risikopersonen, die den zu Polyposis coli führenden Gendefekt nicht geerbt haben, die Darmspiegelung erspart werden.
Für die molekulargenetische Untersuchung benötigt man zuerst eine Blutprobe von einem an FAP erkrankten Angehörigen. Aus der Blutprobe wird die Erbsubstanz (DNS) isoliert und dann in einzelnen Abschnitten des APC-Gens direkt nach eventuellen Veränderungen (Mutationen) im Gen gesucht. Wird bei einem FAP-Patienten eine Mutation im APC-Gen gefunden, so kann den Kindern oder Geschwistern eine molekulargenetische Analyse hinsichtlich des Vorliegens dieser Mutation angeboten werden. Mit dieser Untersuchung können die Anlageträger für FAP sicher diagnostiziert werden.
Da bei Patienten aus verschiedenen Familien unterschiedliche Mutationen auftreten, die über einen großen Teil des APC-Gens verstreut sind (Abb. 1), muss man bei jeder einzelnen Familie nach der hier vorliegenden Veränderung im APC-Gen suchen. Bei etwa 20% der Familien mit klassischer FAP ist es mit den heute verfügbaren Methoden der Mutationssuche nicht möglich, die vorliegende Veränderung im Gen aufzufinden. In diesen Familien ist für Risikopersonen keine prädiktive Diagnostik möglich.
2.3. Untersuchung des Augenhintergrundes
Bei etwa 80% der Personen, die an einer klassischen Form der Polyposis coli erkrankt sind, werden auf der Netzhaut runde oder ovale, meist dunkel pigmentierte Flecken beobachtet. Der Fachausdruck hierfür heißt CHRPE, stammt aus dem Englischen und ist die Abkürzung für „Congenitale Hypertrophie des retinalen Pigmentepithels“ (Abb. 2). Diese Veränderung der Netzhaut wird zusammen mit der Erbanlage, die zu Polyposis coli führt, vererbt. Die Sehfähigkeit wird dabei nicht beeinträchtigt. Die Veränderung der Netzhaut ist angeboren und kann durch eine einfache (schmerzlose) augenärztliche Untersuchung, und zwar eine Spiegelung des Augenhintergrundes (indirekte Fundoskopie), erkannt werden.
Abb. 2: Pigmentflecken auf der Netzhaut des Auges*
Der Stellenwert der augenärztlichen Untersuchung ist derzeit deutlich niedriger als der der molekulargenetischen Untersuchung im Blut.
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